der erste Alpenschamane der Neuzeit

Lexikon der schamanischen Begriffe (Um sich das Googlen zu sparen)

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der erste Alpenschamane der Neuzeit

Beitragvon WhiteEagle » 18.02.2005 17:47

WhiteEagle hat geschrieben:damit begann eigentlich alles - meine Recherche zum Thema Alpenschamanismus:

11. Internationale Konferenz Humanistische Medizin
24.-29.11.2000 in Garmisch-Partenkirchen
Referent Kurt Lussi berichtet über den
europäischen Alpenschamanen Hans Kurmann
- verstorben in den 90er Jahren


Schamanistische Elemente in alpenländischen Jenseitsvorstellungen

Der 1923 geborene Hans Kurmann Bild aus Willisau war ein waschechter Luzerner Hinterländer. Im alten Löwen in Hergiswil. Er setzte seinen Stumpen nur ab, um einen Schluck Kaffee, Schnaps oder eine ordentliche Prise Schnupftabak zu nehmen. Kurmann, von Beruf Feldmauser und landwirtschaftlicher Angestellter, verdanke ich wertvolle Hinweise zum System der "Zwölften". Unter dieser Bezeichnung versteht man die zwölf Tage zwischen Weihnacht und Dreikönige. In dieser Zeit sind die Wesen aus dem Reich der Geister besonders unberechenbar. Sie treten als heftige Winde oder geisterhafte Kobolde auf und verursachen Krankheiten, die oft den Tod zur Folge haben. Der Mensch tut deshalb gut daran, ihnen vor allem in der Nacht aus dem Weg zu gehen.

Die Beobachtungen des Hans Kurmann hängen mit dem Glauben zusammen, wonach Unwetter, besonders aber heftige Westwinde, Hagel und Gewitter, von den Wesen des Jenseits gemacht würden. Dementsprechend ist in vielen Erzählungen vom Türst die Rede, der im tosenden Sturmwind mitreitet und das Heer der namenlosen Toten anführt. Der wilde Zug, heißt es, zerschmettere alles, was sich ihm in den Weg stelle. Nur durch das Aufstellen von Kreuzen und gegen den Sturmwind gespritztes Weihwasser könne die zerstörerische Kraft des Totenheeres gemildert oder von Haus und Hof abgewehrt werden.

Bis in die Gegenwart haben sich im Alpenraum Gebräuche und Glaubensvorstellungen erhalten, die ihre Wurzeln in der vorchristlichen Zeit haben. Es gibt eine ausgeprägte schamanistische Landschaft, in der Kapellen, Bäume, Haine und Hecken ihre besondere Bedeutung haben. Und es gibt vor allem ein schamanistisches Bewusstsein, das im Glauben an eine von Geistern und unruhigen Seelen bewohnten Natur zum Ausdruck kommt. Dieser Glaube wird mündlich weitergegeben. Er umfasst alle im Laufe der Zeit gemachten religiösen Erfahrung der Menschen, weshalb er auch christliche Elemente enthält.

Die Sträggele, die Schamanin der Geisterwelt

In der Nacht schweifen die Seelen unruhig Verstorbener umher. Sie folgen unsichtbaren Wegen, die seit Menschengedenken einen bestimmten Verlauf nehmen. Mit Rauschen, Tosen und einem Geheul, das demjenigen jagender Hunde ähnlich ist, kündet sich der geisterhafte Zug an. Die "Wilde Jagd", die man an anderen Orten Wuotisheer, Muotiseel oder Türstjagd nennt, zerschmettert unbarmherzig alles, was im Wege steht. Grausam ist das Schicksal der Unvorsichtigen und Spötter. Sie werden zerfetzt und müssen sich dem Gefolge anschließen. In einer Sage aus Fischbach, Kanton Luzern streckt eine Mutter ihr unfolgsames Kind nachts aus dem Fenster. Doch der Knecht, der sich als Hexe hätte ausgeben und das Kind erschrecken sollen, kommt zu spät. An seiner Stelle erscheint die im wilden Heer mitreitende Nachthexe, die Sträggele, die der Mutter das schreiende Kinde entreißt. Am nächsten Morgen fanden die Leute bei der Kreuztanne, die früher in der Nähe der Liegenschaft Ober-Gretti stand, Beinchen und Haare des Kindes sowie einige Fetzen von seinen Kleidern. Als die Kreuztanne später gefällt wurde, floss Blut aus dem Holz. Als Zeichen der Versöhnung mit den hier wirkenden Mächten errichtete man ein steinernes Kreuz, an dem jenes Eisenkreuz angebracht wurde, das früher an der Tanne hing. Dieses Kreuz steht noch heute; das in der Nähe stehende Wäldchen gilt immer noch als Aufenthaltsort unruhiger Seelen.

In ihrer ursprünglichen Bedeutung ist die Sträggele ein zwischen dem Diesseits und dem Jenseits stehendes Wesen, das die Seelen der Verstorbenen abholt und auf ihrem gefährlichen Weg ins Reich der Toten begleitet. In gewissem Sinne ist sie die Schamanin der Geisterwelt. Sie nimmt die Seelen der Verstorbenen in Empfang und gliedert sie ein in das von Wodan angeführte Heer der Toten. Erst durch die Christianisierung hat sie eine negative Umdeutung erfahren.
Von Kurt Lussi
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nett, ABER …

Beitragvon milan » 21.02.2005 09:47

Lieber WhiteEagle

Soweit ganz interessant, zumal ich den grössten Teil meiner Ausbildung nah bei Willisau in einem abenteurlich abgelegenen Tobel gemacht habe.

Hingegen muss ich über deinen Titel «der erste Alpenschamane der Neuzeit» eher den Kopf schütteln.
Du hattest es wohl ziemlich eilig …?

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Beitragvon vibesman » 21.02.2005 10:15

hallo

mir ist es auch aufgefallen. neuzeit beginnt mit der "entdeckung" amerikas durch kolumbus - 1492 ;-) oder hattest du es anders gemeint?

bevor mir durch die schule und die diversen gespräche mit geschichte-studierenderen 1492 nahe gebracht wurde - habe ich als kind immer unter neuzeit die jüngste vergangenheit (nach 1945) verstanden - heute jedoch klingt es für mich logisch 1492 als zäsur herzunehmen - :roll:

michael
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Re: nett, ABER …

Beitragvon WhiteEagle » 21.02.2005 11:54

milan hat geschrieben:Hingegen muss ich über deinen Titel «der erste Alpenschamane der Neuzeit» eher den Kopf schütteln.
Du hattest es wohl ziemlich eilig …?


kannst gern kopfschütteln - aber das ist meine rein subjektive Sicht!
Auch was den Begriff Neuzeit betrifft, den hätt ich vielleicht noch in Anführungszeichen setzen sollen - den seh ich in diesem Zusammenhang nicht im historischen Sinn!
Wieso hatte ich es eilig - und womit?

Schamanen und vor allem solche, die sich auch als Schamanen verstehen, gibt es bei uns erst seit dem letzten Jahrhundert wieder. Ob der erste jetzt wirklich der Hans Kurmann war oder obs da noch ein paar andere gabe, ist doch nicht wichtig. Nur dass eben im allgemeinen Sprachgebrauch der Schamane bei uns mit jener Person als erstes wieder im begrifflichen Zusammenhang gebracht wurde.

schamanische Grüße

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