Landschaftsmythologie von Berchtesgaden

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Landschaftsmythologie von Berchtesgaden

Beitragvon WhiteEagle » 21.05.2009 11:44


Bei ihrem Vortrag am 19.5.09 in Berchtesgaden skizzierte Frau Göttern-Abendroth einen landschaftsmythologischen Ansatz zum Berchtesgadener Raum, der sich durchaus mit einigen Erkenntnissen meinerseits deckt oder ergänzt:

Drache und Hexe bewachen den Eingang zum Reich der Percht,
d.h.
der Untersberg ist der Drache
das Lattengebirge die Hexe = Percht = Bergmutter
Berchtesgaden - der Garten der Percht, wobei Garten richtig übersetzt das "Reich" heißt
der heilige Berg selbst wird von ihr als der Watzmann gesehen, dessen Namen ihrer Meinung nach sicher nichts mit seiner Urbedeutung und seinem Urnamen zu tun hat. Ihr fehlen noch ein paar links (missing links), um ihre Annahme eines heiligen Bergs zu unterstreichen.
Da wären dann meiner Meinung nach:
-der Falkenstein am Königssee. Falkensteine sind heilige Berge, wie sich schon ethymologisch nachweisen läßt und am Wolfgangsee-Falkenstein seinen deutlichsten Beweis findet.
-eine sehr alte Bergwallfahrt, die zu Füssen des Watzmanns endet (die Almer Wallfahrt)
-die Kirche (1580 m): ein Berggipfel am Ende des Wimbachgries gegenüber vom Zirbeneck und zu Füssen des Watzmanns gelegen.
(interessanterweise finden wir das Bergmotiv Zirbeneck und Kirche an einem weiteren Gebirgsstock im BGL:
auf der Reiteralm - und die dortige Kirche (Höhle und Gebiet) ist ein Kultplatz!)
über den Berg Kirche beim Watzmann fand ich noch keine Hinweise auf den Namensursprung.
-der Burgstallkopf oberhalb des Fieberbründls bei der Johanneskapelle bei Bartholomä
-die zahlreichen Petroglyphen im Gebiet Königssee
-die Wildfrauensagen rund um den Watzmann

All diese Punkte wären landschaftsmythologisch zu untersuchen!
Vielleicht fällt euch noch was dazu ein?

Zur Bedeutung des Lattengebirges als verkörperte Bergmutter oder Percht gewinnt jetzt natürlich das Teufelsloch, die Teufelsschlucht und die Teufelshörnern nochmals an Bedeutung.
In der Anatomie der Schlafenden Hexe, der der schlafende Drachen gegenüberliegt - diesen Zusammenhang hat Göttner (noch) nicht gesehen (selbst im Berg schlafen die Menschen, die Ahnen, die Untersbergler) - finden wir in ihrem Schoss das "teuflische Loch" - ein beeindruckender Ausdruck von "Fruchtbarkeit", der durch die Verbindung von Himmel (Sonne) und Erde zur Wintersonnenwende mit seinem Sonnendurchgang seinen Höhepunkt findet.
Die dahinter liegende Steineren Agnes ist - nach Göttner - nur eine andere Erscheinung der Bergmutter und wurde durch die Teufelssage entsprechend christlich dämonisiert.

Zum Drachenberg selber:
einerseits Berg der Ahnen (siehe Rohrecker) und entsprechende Sagen
andererseits Berg des alten Volks (Göttner), aus matriachalen Zeiten, die diesen Berg mit seiner Unterwelt zum Rückzugsort erkoren. Das alte Volk - die Hüter alten Wissens! Auch hier könnten viele passende Sagen ein Hinweis darauf sein (u.a. Riesen, Zwerge, Wildfrauen, Moosweiblein, Elfen als Teile des alten Volkes, so wie wir es auch in der Sagenwelt der Dolomiten finden).
Die 12 Kirchen des Untersbergs sieht sie als alte Kultplätze (*g*).
Jungsteinzeitliche Funde im Berchtesgadener Raum machen die Bedeutung klar.

Nicht konform gehe ich mit ihrer Meinung zur Erscheinungsform von Hexe und Drache:
Hexe = dunkel, Unterweltsgöttin
Drache = licht, hell
Ich sehe es genau andersrum, da der Drachen sich durch die riesigen Höhlenvorkommen als dunkler Teil beschreibt aus dem zudem der Schwarzbach entspringt
und das Lattengebirge , die Hexe mit ihrem leuchtenden Loch und dem entspringenden Weißbach als licht und hell erscheint, zumal die Percht ja auch die Helle/Glänzende bedeutet.


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