Lazarus Gitschner

Kein Berg im Alpenraum ist so reich an Mythen wie der Untersberg. Welche Botschaft steckt dahinter? Welche Sagen bewegen euch am meisten?

Lazarus Gitschner

Beitragvon WhiteEagle » 12.02.2010 10:28


ein paar Gedanken zur wichtigsten Untersbergsage "Lazarus Gitschner und die Prophezeiungen des Mönchs vom Untersberg":

    das Jahr 1529:
    selten wird in einer Sage eine konkrete Jahreszahl angegeben.
    Es war die Zeit der Inquisition!

    35 Jahre nach seinem Erlebnis, im 65. Lebensjahr - am Sterbebett - übergab Lazarus seinem Beichtvater und seinem Sohn Johann das Erlebte.
    Alles sehr exakte Daten!

    "Unterhalb des Hochthrons fanden sie eine art Felsenkapelle".
    Quelle:
    http://www.untersberg.net/html/Kultur&sagen/lazarus.htm
    Natürlich bleibt die Frage, welcher Hochthron hier genannt wird - der Berchtesgadener oder der Salzburger.
    Wenn es der Berchtsgadener gewesen ist, findet sich nun zufälligerweise in der Nähe der Einstieg zum "Riesending". Bei derzeitigen Forschungsstand ist davon auszugehen, dass die Höhlenforscher irgendwann die Talsohle erreichen werden. Das heißt, sie steigen oben am Hochthron ein und kommen unten raus - wo ist noch offen.
    Lazarus wird oben in den Berg geführt und kommt unten heraus!
    Nun ist davon auszugehen, dass weder Lazarus noch der barfüßige Mensch klettertechnisch bewandert waren, um jene immensen Schächte bewältigen zu können.
    Umschreibt die Sage hier vielleicht nur die energetisch-geomantische Struktur des Berges?
    Auch Dr. Göttner-Abendroth sieht in den 12 Untersbergkirchen, die Lazarus gezeigt werden, Kultplätze.
    Sollte Lazarus nur eine Art Botschaft des Berges vermitteln, so wie es im letzten Jahrhundert Dr. Köberle erlebte bzw. in diesem Jahrhundert sein Freund Hagen Böhnisch an die Öffentlichkeit brachte?
    Köberles Botschaft vom Berg des Lichts war von spiritueller Natur - eine christliche orientierte Lichtbotschaft.
    Lazarus Botschaft erscheint auch christlich geprägt:
    lateinische Worte "S.U.R.G.E.T. S.A.T.U.M." sollen an der Felsenkapelle gestanden haben.
    Lazarus war aber einst mit dem Reichenhaller Pfarrer Martin Elbenberger am Untersberg unterwegs, als sie die Inschrift fanden. Soll ein Pfarrer, der des Latein kundig ist, sich nicht an die beiden - noch dazu eingängigen Worten - erinnern können??? Und ihn deswegen nochmals hinauf auf den Untersberg schicken?
    In einer anderen Version taucht dann folgende Abschrift von Lazarus auf:

    S. d. d. occo. x.
    Satrnrop, 5. a. f. 5. l. d.
    P. 6. m. 6. a. t. 5. q. o. t. m. 5. r. u. a t.
    m. 519. r. l. v. e. p. 55. a. tt. tt. l. x. missm
    ariu. a. o. u st g c x 5. l. 19. alto mvraco
    mic r l y. pymi. l o p m i. v m l t. t g

    Die beiden lateinischen Worte sind hier nicht mehr erkennbar. Wurde aus diesem Urcode eine christliche Botschaft umgebaut?

    Nochmals - 1529 - tiefstes und grausamstes Mittelalter! Was wäre Lazarus passiert, hätte er zu Lebzeiten über seine Erlebnisse gesprochen, die voller Zahlenmystik waren und zudem einen geheimnisvollen (okkulten) Code beinhaltete?

    Die erwähnte Felsenkapelle erscheint mir nach wie vor in der Höhle "Steinerner Kaser" verkörpert zu sein. Daraufhin deutet das dort erfahrbare Lichtwunder und die starke Kraft jenes Ortes.





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Re: Lazarus Gitschner

Beitragvon WhiteEagle » 15.03.2010 09:45


Heimatpfleger und Stadtarchivar Dr. Lang aus Bad Reichenhall hat in seinem 2009 erschienen Buch der Lazarussage als eine der bedeutendsten Sagen des Alpenraums viel Platz in seinem Buch eingeräumt. Mit 900 Seiten ist das als ein sehr umfassendes Werk anläßlich der 850-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt zu bezeichnen.
Seinen Angaben zufolge gibt es 18 verschiedene und zugleich ähnliche Versionen der Lazarussage und dazu noch ein paar andere - eher unbedeutende. Seinen Recherchen zufolge existierte laut Steuerbuch der Stadt aus dieser Zeit kein (Diener des Stadtschreibers) Lazarus Gitschner. Er verweist dabei noch auf die Seltenheit des Vor- und Nachnamens zu jener Zeit und meint, dass es sich um ein Pseudonym handeln muss. Auch die tatsächliche Urform der Sage sei nicht feststellbar.
Er übergeht dabei nun aber, dass in den verschiedenen Sagenversionen auch verschiedene Nachnamensversionen existieren, so z. B. Günzner und Aigner.
(Quelle: L. Bechstein, die Volkssagen, Mährchen und Legenden Oesterreichs. I., 75 ff. Maßmann a.a.O.)

Aigner ist zum Beispiel ein noch heute bekannter Reichenhaller Familienname. Und ich habe noch andere Versionen gesehen - und kenne selber nicht alle 18! Wenn also die Urform der Sage nicht bekannt ist, kann auch der Name nicht als allgemeingültig bezeichnet werden.
Es ist dennoch sehr interessant seine weiteren Ausführungen zur Sage zu lesen, beschreibt er das Erlebte von Lazarus als eine für das Mittelalter typische Jenseitsreise.

Ausserdem lokalisiert er den möglichen Ort der Höhleninschrift an Berchtesgadener Hochthron. Damit wäre zwar die seltsame Verbindung zum "Riesending" hergestellt, aber ich kann nirgends die in einigen Versionen beschriebene Nähe einer "großen Klamm" in der Nähe des Hochthrons erkennen:

Da kamen sie zu einer Felsenschlucht, der hohe Thron genannt, wo ein Loch in den Berg ging. Unter dem Felsen stand eine Kapelle, die trug eine Schrift von silbernen Buchstaben
Quelle: http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterr ... sberg.html


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